NEUE WELT PASSION

Die Bibel ist das meist gelesene, meist herausgegebene, und meist übersetzte Buch auf der Welt. Die Leidensgeschichte des Erlösers Jesu ist jedoch das bekannteste Thema der Literaturgeschichte. Das Theater József Katona in Kecskemét hat sich vorgenommen, die wohlbekannte Geschichte auf der Freilichtbühne, traditionell und doch etwas anders vorzustellen.

Laut unserer Geschichte haben Kolumbus auf einer seiner berühmten Entdeckungsreisen Hundertsechsundzwanzig Mönche aus dem einzigen in Ungarn gegründeten Einsiedler-Orden, namens Pauliner, in die Neue Welt begleitet. Königin Isabella von Kastilien/Spanien hat die Brüder vom ungarischen Provinzial aufgefordert, damit diese die mutigen Seemänner auf dem langen Wege seelisch beistehen und später auf dem fernen Kontinent, in der Neuen Welt, den christlichen Glauben verbreiten. Mittels der künstlerischen Freiheit sind die ungarischen Pauliner (die sog. Weißen Mönche) auf diese Weise als Verbreiter der europäischen Kultur und Gesinnung zu bedeutenden Gestalten der Geschichte Amerikas geworden. Die Eigenart der Aufführung in Kecskemét besteht darin, dass die Geschichte, das Anfangsstadium der Mission, aus dem Aspekt der Pauliner darstellt.

Im Arboretum von Kecskemét belebt sich die Leidensgeschichte dank der Mönche, die in Amerika ankamen. Die Ordensbrüder möchten die Eingeborenen, die sich zu ihrem Empfang versammelten, in das Große Geheimnis einweihen, indem sie Teile des Evangeliums erzählen; den Tod und die Auferstehung von Gottessohn Jesu, sowie das Mysterium des Sündenfalls, des gemeinsamen Leidens und des ewigen Lebens.  All das wird mittels uralten Ausdrucksformen, durch Schauspiel verwirklicht. Am Anfang nehmen an dem Spiel die „Wilden, die Heiden“ mit Angst und Argwohn, dann mit zunehmender Neugierde und Freude teil: sie feiern und beweinen, verteidigen und verurteilen Jesu, dann begleiten sie ihn auch auf seinem letzten Weg.

Das Textbuch beruht sich vor allem auf dem Evangelium.  Der Autor des Rahmenspiels   Mihály L. Kocsis hat aber zugleich auch weniger bekannte literarische Quellen verwendet, um die wohlbekannte Geschichte in ein neues Licht zu rücken. All das mit einer Begleitmusik und Gesang von etwa hundert Minuten, dabei schöpft man alle Möglichkeiten aus, die eine Freilichtbühne nur anbieten kann. Die Autoren der Aufführung samt Regisseur streben durch die Einheit von Bild-Musik-Choreographie nicht nur nach Neuartigkeit der Annäherung an das Thema, sondern auch nach Verwirklichung einer zeitnahen ungarischen Produktion. Die Passion von Kecskemét kann nur auf diese Weise als internationale Darstellung, als Fenster zur Welt betrachtet werden, während sie auch ihren typischen Ungarn-Charakter bewahrt; indem sie eine wahre Geschichte von ungarischen Mönchen erzählend, verkündigt und lehrt uns die wichtigste Botschaft von Christi, die Liebe.

Eine andere Besonderheit unserer Neuwelt-Passion ist, dass ihr Grundtext von einem alten Dokument geschrieben 1511 (mit alter Runenschrift) vom Klosterbruder Bálint Hadnagy genommen wurde, dessen ungarische Version nur vor einigen Jahren bekannt wurde.

Die Choreographie stammt von László Lukács, dem leitenden Choreographen des Tanzensembles Kecskemét. Neben den Tänzern wirken in der Vorstellung auch einige Einwohner der Stadt Kecskemét mit.

 In den Hauptrollen sehen wir die folgenden Darsteller: Ádám Porogi, Ákos Kőszegi, Melinda Hajdú, Zoltán Hegedűs, Zsolt Körtvélyessy, Zsolt Zayzon.

Die Musik der Vorstellung hat der Komponist Szabolcs Kövi komponiert.

Regisseur:  Péter Cseke.